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16.07.2019   |   fördern

Provenienzforschung - Die Freunde nehmen Vorreiterrolle ein

Die Freunde der Staatsgalerie stellen sich der moralisch-ethischen Verpflichtung und untersuchen ihre Sammlung systematisch und proaktiv auf NS-Raubgut.

„Als erster Förderverein in Deutschland, der sich dieser Aufgabe annimmt, freuen wir uns sehr, dass uns das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste und die Staatsgalerie dabei unterstützen.“ (Markus Benz, Vorsitzender des Vorstands)

Seit 1. April dieses Jahres ist sie im Amt: die Provenienzforscherin Dr. Andrea Richter. Sie wird sich für zwei Jahre intensiv mit der Sammlung der Freunde der Staatsgalerie beschäftigen.

Von den mehr als 2.000 Kunstwerken, die der Verein im Laufe seiner Geschichte erworben hat, werden 183 Arbeiten genauer betrachtet. Dabei handelt es sich um 33 Gemälde, 147 Zeichnungen, eine Fotografie, ein Skizzenbuch und eine Skulptur. Der größte Teil der zu untersuchenden Kunstwerke sind Zeichnungen von Künstlern des 19. Jahrhunderts wie Carl Gustav Carus oder Joseph Anton Koch. Rund ein Viertel der Werke stammen aus dem 20. Jahrhundert, von Vertretern der Klassischen Moderne wie beispielsweise Egon Schiele oder Julio Gonzalez. Ein weiterer Teil umfasst Gemälde und Zeichnungen von bedeutenden Vertretern der Renaissance wie Hans Holbein d. Ä. oder Albrecht Dürer.

Seit nunmehr zehn Jahren wird an der Staatsgalerie Stuttgart die Herkunft der Sammlung systematisch erforscht. Dabei werden die Provenienzen aller Kunstwerke überprüft, die vor 1945 entstanden sind und nach 1933 von der Staatsgalerie erworben wurden. Mit dem Gemälde »Stillleben mit Gitarre« von Alexander Kanoldt, das 1935 vom damaligen Stuttgarter Galerieverein (heute: Freunde der Staatsgalerie Stuttgart e. V.) erworben worden war und 2008 an die Erben des Breslauer Sammlers Ismar Littmann restituiert wurde, kam auch der Bestand des Vereins der Freunde in den Fokus der Provenienzforschung. 2013 konnte der Verein das Gemälde wieder für die Staatsgalerie zurückkaufen.

2018 stellte der Vorstand der Freunde der Staatsgalerie bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg einen Antrag auf Förderung der Provenienzforschung, der zum 1. April 2019 für die Dauer von zwei Jahren bewilligt wurde.

In diesen zwei Jahren wird Andrea Richter die Herkunft der einzelnen Objekte genau recherchieren. Die Ergebnisse werden zum gegebenen Zeitpunkt online publiziert.

Alexander Kanoldt, Stillleben mit Gitarre (Stillleben VI), 1926 Erworben 1935, 2008 restituiert an die Erben nach Ismar Littmann, zurückerworben 2013
Rückseite des Gemäldes Willi Baumeister, Die Seilspringerin, 1928, Staatsgalerie Stuttgart, mit Provenienzmerkmalen