Freunde der Staatsgalerie – Stuttgarter Galerieverein
Freunde der Staatsgalerie – Stuttgarter Galerieverein

Kunst vereint – mehr als 100 Jahre Freunde der Staatsgalerie Stuttgart

Stuttgart Kunstgebäude

Unter der Schirmherrschaft von König Wilhelm I. und auf Initiative von Konrad von Lange (1855-1921), dem damaligen Inspektor der Königlichen Gemäldegalerie, Vorläufer der heutigen Staatsgalerie, gründete sich 1906 der »Stuttgarter Galerieverein« mit 140 Mitgliedern. Als Krönung der ersten Ankaufsphase dieses Jahres konnte Claude Monets »Felder im Frühling« (1887) erworben werden.
 

Claude Monet, »Felder im Frühling«, 1887

Die totale Geldentwertung 1923 war Auslöser einer Satzungsänderung, die den Akzent der Vereinsaktivitäten von den kaum mehr möglichen Ankäufen auf die Finanzierung von Ausstellungen verlagerte. Der Kunstsammler und damalige geschäftsführende Direktor der Robert Bosch GmbH, Hugo Borst (1881-1967), leitete gemeinsam mit dem Galeriedirektor Heinz Braune (1880-1957) die Geschicke des Vereins durch die schwierige Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. In den späten Dreißiger Jahren und während des Zweiten Weltkriegs waren beiden die Hände gebunden, was Ankäufe und Ausstellungen anging. 1936 erfolgte, wohl u.a. als Präventivmaßnahme gegen Beschlagnahmungen, eine Umbenennung in »Verein der Freunde der Württembergischen Staatsgalerie«.

In der ersten Mitgliederversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem neuen Vereinsvorsitzenden Gerhard Freiherr von Preuschen (1895-1980) und mit dem neuen Direktor Heinrich Theodor Musper (1895-1976) konstituierte sich der Verein am 20. November 1948 neu, mit einer Revision der Satzung von 1936, einer Ermäßigung des Mitgliedsbeitrags auf 10 Mark und der Annahme des ursprünglichen Namens »Stuttgarter Galerieverein e. V.« Mit diplomatischem Geschick und Engagement führte Freiherr von Preuschen an der Seite des rührigen und kenntnisreichen Direktors Musper den Verein mitsamt der Galerie aus der Talsohle des Zusammenbruchs. In kurzer Zeit wurde der Verein zu einem sowohl in praktischer als auch in künstlerischer Hinsicht höchst effektiven Mitstreiter für den Wiederaufbau der Staatsgalerie.

Unmittelbar nach der Währungsreform 1948 begann eine rege Ausstellungstätigkeit: 1951 holten die Freunde der Staatsgalerie mit der Ausstellung »Gemälde aus dem Besitz der Pinakothek München« einen hohen Qualitätsmaßstab ins Haus. Zur Eröffnung der 1954 ebenfalls vom Verein finanzierten Mirò-Schau sprachen Willi Baumeister und der bekannte Berliner Kunstprofessor Will Grohmann.

Im Jahr 1951 gelang dem Verein unter Bündelung aller Spendenkräfte eine bedeutende Erwerbung: das Bildnis der »Wilhelmine Cotta« (1802) von Gottlieb Schick, ein Hauptwerk des schwäbischen Klassizismus.

Mit Hilfe der Freunde der Staatsgalerie als Vermittler von Spenden konnten Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre verstärkt Werke der ehemals als »entartet« gebrandmarkten Maler erworben werden. Dazu zählte George Grosz visionäres Gemälde »Widmung an Oskar Panizza« (1917-1918). Mit Willi Baumeister und Ottomar Domnick waren bedeutende Repräsentanten und Vermittler der zeitgenössischen Kunst Mitglieder der Freunde der Staatsgalerie.

Am 8. Oktober 1958 feierten die Freunde der Staatsgalerie nachträglich nicht nur ihr 50-jähriges Bestehen, sondern auch die Wiedereröffnung der Staatsgalerie. Aus diesem Anlass schenkte die Stadt Stuttgart dem Verein ein »Selbstbildnis« (1924) von Lovis Corinth.
 

Lovis Corinth, »Selbstbildnis«, 1924

Camille Pissarro »Der Gärtner«, Albrecht Dürer »Die Melancholie«

Links: Camille Pissarro, »Der Gärtner«, 1899; rechts: Albrecht Dürer, »Die Melancholie«, 1514

Wols, »Komposition«, Oskar Schlemmer, »Figurinen zum Triadischen Ballett«

Links: Wols, »Komposition«, 1946; rechts: Oskar Schlemmer, »Figurinen zum Triadischen Ballett«, 1920–22

1974 gab es unter dem Vorsitzenden Hans Bausch (1921-1991) erstmals eine Ausstellung zu den Erwerbungen des Vereins. Der Fokus der Ankaufstätigkeit lag auf zeitgenössischer Kunst, Erwerbungen wie »Flemish V« (1972) von Al Held und das Schleierbild »Beth Mem« (1958) von Morris Louis zeugen davon. Im gleichen Zeitraum wurde aber auch das wohl bedeutendste Werk des abstrakten Surrealisten Wols »Komposition« (1946) angekauft. Ende der Siebziger Jahre kamen durch eine großherzige Spende der Landesgirokasse die »Figurinen zum Triadischen Ballett« (1920-1922) von Oskar Schlemmer in Besitz der Freunde der Staatsgalerie. Direktor Peter Beye (*1932) positionierte die Staatsgalerie in seiner fast drei Jahrzehnte dauernden Amtszeit international unter den ersten Museumsadressen. In dieser Zeit gelang unter Bauschs Mithilfe ein Ausweg aus der Raumnot der Staatsgalerie. Er mündete in dem 1984 feierlich eröffneten wegweisenden Museumsbau der Postmoderne nach einem Entwurf von James Stirling. Zur Einweihung der Neuen Staatsgalerie erwarben die Freunde der Staatsgalerie, unterstützt durch das Land, Egon Schieles Selbstporträt »Der Prophet« (1911).

Am 5. Februar 1986 konstituierte sich der Förderkreis innerhalb des Vereins der Freunde der Staatsgalerie zur besonderen Unterstützung des Hauses und seiner Belange. Nach einem erfolgreichen Spendenaufruf überreichter der Verein der Staatsgalerie 1991 Julio González´ »Der Kuss« (1930).

Eine ständig steigende Mitgliederzahl Mitte der Neunziger Jahre machte die Einrichtung einer Geschäftsstelle unverzichtbar, um die zahlreichen Aktivitäten der Freunde der Staatsgalerie effizient zu steuern und voranzutreiben. Zu seinem 90. Geburtstag, 1996, erwarb der Verein das »Blaue Schwammrelief (RE 6)« (1961), eines der bedeutendsten Werke Yves Kleins. Unterstützt von dem Vorsitzenden Walther Zügel (*1933) initiierte Direktor Christian von Holst (*1941) einen notwendigen Anbau für die Graphische Sammlung der Staatsgalerie. In nur zwei Jahren wurde ein funktionaler Bau, entworfen von dem Basler Architektenpaar Katharina und Wilfried Steib, hinter der Alten Staatsgalerie für die Graphische Sammlung des Hauses errichtet.

Der Kunstklub, eine Initiative der Staatsgalerie und der Freunde der Staatsgalerie, wurde 2004 ins Leben gerufen. Hier treffen sich junge Kunstinteressierte regelmäßig um sich zu Kunst und Kultur in lockerer Atmosphäre auszutauschen.

Im selben Jahr gelang der Staatsgalerie nach langen Verhandlungen ein Ankauf von epochaler Bedeutung: Der Zyklus von zwölf Tafeln der »Grauen Passion« (zwischen 1494 und 1500) von Hans Holbein dem Älteren aus der Fürstlich Fürstenbergischen Sammlung zu Donaueschingen. Die besonders eindrucksvolle Tafel der »Kreuztragung Christi« aus dieser Folge wurde von den Freunden der Staatsgalerie erworben.
 

Oben: Yves Klein, »Blaues Schwammrelief (RE 6)«, 1961
unten: Junge Kunstinteressierte treffen sich im Kunstklub

Jeff Koons, »Jungle«, 2005; Raum für Freunde

Oben: Jeff Koons, »Jungle«, 2005
unten: Raum für Freunde

Durch seine Größe und sein Engagement nimmt der Verein der Freunde der Staatsgalerie eine Spitzenstellung unter den Förder- und Freundeskreisen in der deutschen Museumslandschaft ein. Damit das so bleibt, sollen in der Zukunft vermehrt junge Kunstfreunde und Familien für eine Mitgliedschaft interessiert werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür wurde mit der Stiftung eines Mitgliedes des Förderkreises geschaffen. Die Rudi Häussler Jugend Stiftung übergab der Staatsgalerie im Herbst 2009 ein auf die Bedürfnisse der Kunstvermittlung und der Archive der Staatsgalerie hin saniertes Gebäude mit modernen Workshop- und Seminarräumen. Hier können Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich kreativ betätigen, ihrer Phantasie freien Lauf lassen oder sich kunsthistorisch weiterbilden.

Die Freunde der Staatsgalerie verstehen sich als Verein, der sich allen Generationen verpflichtet fühlt und für alle gleichermaßen attraktiv bleiben und werden möchte!

Als Grundlage diente die Chronik der Freunde der Staatsgalerie, die Prof. Dr. Karin von Maur 2006 anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens kenntnisreich aufgearbeitet hat. Sie ist unter dem Titel »Kunst vereint. 100 Jahre Stuttgarter Galerieverein« erschienen und kann über die Geschäftsstelle angefordert werden.